Titel Nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens
Datum Juli 2006
Auftraggeber Hans-Böckler Stiftung
Kontakt Dr. Markus Schneider

Deutschland zählt zu den Ländern mit der höchsten öffentlich finanzierten Gesundausgabenquote im internationalen Vergleich (vgl. Abbildung 1). Dies bestätigen auch die jüngst publizierten Zahlen des deutschen Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2004. Trotz erheblicher Einsparungen als Folge der Gesundheitsreform werden immer noch mehr als 8% des Bruttoinlandsprodukts über Sozialbeiträge und Steuern für die Finanzierung von Gesundheitsleistungen ausgegeben. Eine Steigerung dieser Quote ist weder strukturell, noch fiskalisch, noch konjunkturell wünschenswert, sondern verhindert überfällige strukturelle Reformen im Gesundheitswesen und die Sanierung der öffentlichen Haushalte.

Abbildung 1: Ausgewählte Indikatoren, D=100
Ausgewählte Indikatoren

Wie ist es möglich, dass in anderen europäische Länder die öffentliche Hand ein Drittel weniger für das Gesundheitswesens aufwendet? Was können wir aus den Organisations- und Finanzierungsstrukturen der Gesundheitssysteme Europas im Hinblick auf die nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesen lernen? Diese Studie, die durch die Hans-Böckler Stiftung unterstützt wurde, greift diese Fragestellung auf. Anhand von Schlüsselindikatoren des Finanzbedarfs und der Finanzkraft werden die Systemunterschiede im Hinblick auf die Nachhaltigkeit für die folgenden sechs Länder diskutiert: Deutschland (D), Finnland (SF), Frankreich (F), Niederlande (NL), Schweiz (CH) und das Vereinigte Königreich (UK). Abschließend werden spezifische Aspekte der institutionellen Rahmenbedingungen vertieft.

Die nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens erfordert langfristig, dass Finanzbedarf und Finanzkraft im Einklang sind. Angesichts des Bevölkerungsentwicklung und der Erfahrungen mit Kapitalbildungen kann die Bildung von Altersrückstellung alleine die Nachhaltigkeitslücke nicht schließen. Vielmehr kommt es darauf an, den öffentlichen Finanzbedarf durch Produktivitätssteigerungen und Reorganisation des Gesundheitswesens zu senken.

Die Studie zeigt, dass Produktivitätssteigerungen im Gesundheitswesen ein Schlüssel für die nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens sind. Deutschland schneidet hinsichtlich der Produktivitätssteigerungen im internationalen Vergleich hervorragend ab. Aufgrund des geringen deutschen Wirtschaftswachstums kumulierte sich allerdings dennoch ein Defizit. Weiterer Handlungsbedarf ist angesagt.

Abbildung 2: Kumulierter 10 Jahres-Überschuß/Defizit in % des BIP
Kumulierter 10 Jahres-Überschuß/Defizit in % des BIP

Auffallend ist die gute Entwicklung im finnischen Gesundheitswesen, welches bei wesentlich geringeren öffentlichen Ausgaben Überschüsse erzielt.

Die Studie kann im Buchhandel oder direkt bei BASYS bezogen werden.