Bedarf an Hospiz- und Palliativversorgung

The Need of Hospice Care and Palliative Care

Trotz weitreichender Bemühungen um den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland gibt es eine partielle Unterversorgung in ländlichen Kreisen. Aufgrund der demographischen Entwicklungen und der höheren Lebenserwartung stellt sich die Frage, wie der Versorgungsbedarf zukünftig wächst. Die kleinräumige Prognose der Zahl der Gestorbenen ist für die Beantwortung dieser Frage von besonderer Bedeutung. Low access to hospice and palliative care still exists at rural communities despite comprehensive policies to expand hospice and palliative care in all German States. As a consequence of ageing and increasing life expectancy further need of hospice and palliative services can be expected. Specific projections of mortality at the community level is essentially for planning future hospice and palliative care.

Einleitung

Das Thema Sterben bzw. die Fragen nach dem „Wie sterben“ und „Wo sterben“ werden zunehmend offener diskutiert. In diesem Kontext hat sich in Deutschland in den letzten vierzig Jahren eine Hospiz- und Palliativbewegung entwickelt, deren Anliegen es ist, Sterbende und deren Angehörige menschenwürdig zu betreuen. Im Rahmen einer professionellen palliativmedizinischen und -pflegerischen Betreuung sollen bis zuletzt größtmögliche Autonomie, Schmerzfreiheit und Geborgenheit in einer vertrauten Umgebung und im Kreis der Familie und Freunde sowie eine psychosoziale und spirituelle Begleitung gewährleistet werden.

Abb. 1: Hospiz- und Palliativversorgung in der Region Chemnitz, 2012

Hospiz- und Palliativversorgung in der Region Chemnitz, 2012

Hospizversorgung

Zur Anzahl der in Deutschland tätigen Hospizdienste liegen unterschiedliche Informationen vor. Zu unterscheiden sind einerseits die Angaben der Hospizverbände und deren Internetplattformen und andererseits die Informationen derjenigen Hospizdienste, die über Verträge mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verfügen. Erstere Gruppe ist wesentlich weiter gefasst. Nach Auskunft des Deutscher Hospiz- und PalliativVerbands e.V. (DHPV) gibt es in Deutschland derzeit rund 1.500 ambulante Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung einschließlich der ambulanten Hospizdienste für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie Dienste mit Beratungsschwerpunkt. Diese vom DHPV ermittelte Zahl blieb seit 2008 nahezu konstant. Von den insgesamt 1.500 Einrichtungen werden ca. 780 - 800 durch die GKV bezuschusst. Die Kapazitäten im stationären Bereich werden nicht nur von den Bettenzahlen, sondern auch von der Verweildauer bestimmt, da kürzere Verweildauern eine höhere Versorgungszahl ermöglichen.

Allgemeine und spezialisierte Palliativversorgung

Um die Versorgung der schwerstkranken und sterbenden Menschen im vertrauten häuslichen Umfeld zu stärken und auszubauen, genießt die ambulante Palliativversorgung in den Ländern einen besonderen Stellenwert, wobei es Unterschiede in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und der Allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) gibt. Aufgrund der vielfältigen und komplexen Anforderungen der Patienten ist die Hospiz- und Palliativversorgung in der Praxis arbeitsteilig organisiert, wobei das Leistungsspektrum der ambulanten und stationären Dienste sehr verschieden ist und von psychosozialer Betreuung bis hin zur Übernahme palliativmedizinischer oder -pflegerischer Aufgaben in den verschiedenen Settings reicht. Die regionalen Versorgungsmöglichkeiten hängen dabei nicht zuletzt ganz wesentlich von der Struktur der übrigen Gesundheitsversorgung ab (vgl. etwa den Vogtlandkreis und Mittelsachsen in der Region Chemnitz, Abb.1).

Versorgungsdichte

Für den regionalen Vergleich der Versorgungsdichten mit ambulanten Diensten und stationären Stationen sind schließlich die unterschiedlichen demographischen Bedarfe von besonderem Interesse. In den letzten Jahren wurde in allen Bundesländern Deutschlands eine ambulante und stationäre Hospiz und Palliativversorgung aufgebaut. Daraus hervorgegangen sind ambulante Hospizdienste, stationäre Hospize sowie meist an Krankenhäuser angegliederte Palliativstationen. Aufgrund der sich verändernden Altersstruktur der Bevölkerung wird vielfach die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaus gefordert. Historisch bedingt haben sich in einzelnen Ländern spezielle Versorgungsformen entwickelt; beispielsweise die Sitzwachengruppen und die Brückenpflege in Baden-Württemberg. Die Möglichkeit der Finanzierung von Angeboten aus Spenden und über Stiftungen stellt sich regional höchst unterschiedlich dar.

Kosteneffektivität

Ein vielmals unterschätzter Punkt ist die Kosteneffektivität der Hospiz- und Palliativversorgung. Internationale Studien deuten auf Kosteneinsparungen in der Krankenhausversorgung hin. Die Versorgungskosten sind bekanntlich am Lebensende besonders hoch. Es gilt deshalb, für die Betroffenen strukturelle Verbesserungen zu mehr Lebensqualität und Kosteneffektivität zu erschließen.

Unter- und Überversorgung

Als Benchmarks für den Bedarf können die Angaben des DHPV, der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) und des Spitzenverbandes der GKV nur grobe Richtwerte bilden. Die Bedarfsermittlung, basierend auf durchschnittlichen Normwerten je Bevölkerung, ist angesichts der hohen Sterblichkeitsunterschiede für die regionale Versorgungsbewertung nicht hinreichend. Wie die „Hospizstudie“ für das sächsische Sozialministerium zeigt, spielen in der kleinräumigen Untersuchung der Unter- und Überversorgung mit Hospiz- und Palliativdiensten die demographischen Strukturen eine wichtige Rolle.

Bedarfsvorausberechnung

Die Ermittlung des zukünftigen Bedarfs sollte deshalb die räumlich differenzierte Mortalität berücksichtigen:

Beispielsweise hatte Sachsen im Jahr 2011 durchschnittlich 19 % mehr Sterbefälle pro 100.000 Einwohner als die anderen Bundesländer. Dies ist offenbar auf die besondere Altersstruktur in Sachsen zurückzuführen.

Referenz

[1] Karmann, A., Schneider, M., Werblow, A., Hofmann U., Wolff, D. (2013), Fortschreibung der „Studie zu Standorten und demographischen Rahmenbedingungen von Hospizangeboten in Sachsen“ (Hospizstudie), Gutachten für das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, GÖZ: Dresden, BASYS: Augsburg.


Autoren
Markus Schneider, Alexander Karmann*
* GÖZ

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