Gesundheitswirtschaft Sachsens im Aufwind

Pharma und Medizintechnik holen auf

Nach einer Phase der Umstrukturierung hat sich die Gesundheitswirtschaft in Sachsen in den letzten Jahren gut entfaltet. Sowohl die pharmazeutische Industrie als auch die Medizintechnik sind auf dem Weg, an die lange Tradition dieses Landes anzuknüpfen. Große Herausforderungen bringen in Zukunft die Anpassungen an die demographische Entwicklung. In der Optimierung des öffentlichen Ressourceneinsatzes kommt dabei Produktivitätssteigerungen eine wichtige Rolle zu. The industrial foundation of the health economy of Saxony made remarkable steps during the last years after a phase of reorientation toward international markets. Both, pharmaceutical and medical device industries are getting closer to their historical positions. Challenges ahead are to cope with the increasing medical needs of the ageing society. Initiatives for encouraging productivity gains in health care will help to balance scarce public resources.

Hohes Wachstum

Die Gesundheitswirtschaft in Sachsen hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Aber es sind auch noch große Entwicklungspotenziale zu erschließen. Ebenso ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft in Sachsen offenkundig. Beachtlich ist das Wachstum im industriellen Bereich. Dies zeigt sich vor allem, wenn man die Kennziffern der Gesundheitswirtschaft mit den Bundeswerten vergleicht. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von BASYS und des Gesundheitsökonomischen Zentrums der Technischen Universität Dresden (GÖZ). Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz wurden u. a. das Unternehmensregister ausgewertet, die regionale Verteilung untersucht (vgl. Abb. 1) und die Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft berechnet [1].

Abb. 1: Schwerpunkte der Gesundheitswirtschaft Sachsens, 2010

Schwerpunkte der Gesundheitswirtschaft Sachsens, 2010

Entwicklungspotenzial in der industriellen Struktur

In Sachsen liegen die gesamtwirtschaftlichen Anteile der Gesundheitswirtschaft (Wertschöpfung, Produktion und Erwerbstätigkeit) über denjenigen Deutschlands. Die Ursachen hierfür liegen im Wesentlichen außerhalb der Gesundheitswirtschaft, d. h. an den Unterschieden in den industriellen Strukturen zwischen dem Osten und dem Westen. Insgesamt wird in der Gesundheitswirtschaft rund ein Achtel der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung Sachsens erwirtschaftet. Die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen (Produktivität) beträgt ca. 35 Tsd. €. Es bestehen große Produktivitätsunterschiede zwischen der pharmazeutischen Industrie im Kernbereich einerseits und den sozialen Dienstleistungen des Erweiterten Bereichs andererseits. Teilzeitbeschäftigung und fehlende Rationalisierungsmöglichkeiten bei Dienstleistungen spielen dabei eine Rolle.

Größeres Wachstum als in der Gesamtwirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft ist in Sachsen wie in Deutschland im letzten Jahrzehnt schneller gewachsen als die Gesamtwirtschaft. Das durchschnittliche Produktionswachstum der sächsischen Gesundheitswirtschaft liegt im Zeitraum 2005 – 2010 bei jährlich 4,4 % und damit über dem Wachstum der deutschen Gesundheitswirtschaft von jährlich 4,1 %. Fortschritte im internationalen Wettbewerb sind unverkennbar.

Entwicklungspotenziale im industriellen Bereich und im Gesundheitstourismus

Die Produktion von medizintechnischen und pharmazeutischen Waren in Sachsen kann noch deutlich gesteigert werden. Nur in wenigen Produktsegmenten pharmazeutischer Erzeugnisse und der Medizintechnik sind die Unternehmen Sachsens auf dem wachsenden Weltmarkt vertreten. Im Vergleich zu den Dienstleistungsbereichen der Gesundheitswirtschaft, die vor allem lokal und regional organisiert sind, liegen im Warenbereich besondere Entwicklungschancen. Aber auch im Gesundheitstourismus, vor allem im Kur- und Bäderbereich, lassen sich Potenziale erschließen. Die im Vergleich zu Deutschland unterdurchschnittliche Anzahl von Übernachtungsmöglichkeiten ist sicherlich ausbaufähig. Die Verbindung von gesundheitlichen Aktivitäten mit dem reichhaltigen Kulturangebot ist dabei ein wesentlicher Standortvorteil Sachsens.

Umstrukturierung

Die Zunahme der älteren Bevölkerung einerseits und der Rückgang der Erwerbspersonen anderseits führt zu Herausforderungen für die Gesundheitswirtschaft in Sachsen. Kapazitätsanpassungen und Umstrukturierung der stationären Dienstleistungsbereiche werden hiervon besonders betroffen sein. Die Projektion der Nachfrage nach Gesundheitsgütern bis zum Jahr 2025 zeigt trotz Bevölkerungsrückgang einen zusätzlichen Fachkräftebedarf. Dem steht jedoch ein sinkendes Erwerbspersonenpotenzial gegenüber. Der Optimierung des Ressourceneinsatzes ist deshalb eine hohe Priorität einzuräumen.

Fazit

Man wird der regionalen Vernetzung der Angebotsstrukturen der medizinischen Versorgung (Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen und niedergelassene Ärzte, einschl. MVZ) mit den industriellen Anbietern verstärkte Aufmerksamkeit schenken müssen. Auch sind mögliche Schwerpunkte zu identifizieren, um geeignete Strategien zur Hebung von Entwicklungspotenzialen zu erarbeiten. Neben einer Koordinierungsstelle können bestehende Kooperationen zwischen universitären Einrichtungen und Institutionen der Gesundheitswirtschaft hilfreich sein, um eine unabhängige Plattform zu einer netzwerkübergreifenden Zusammenarbeit aufzubauen. Die heute bereits vorhandene Internetplattformen www.gesundheitswirtschaft-sachsen.org und www.healthy-saxony.com könnten hierzu genutzt und weiterentwickelt werden.

Referenz

[1] BASYS, GÖZ, (2012), Gesundheitswirtschaft Sachsen, Studie im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, Augsburg, Dresden.


Autoren
Markus Schneider, Alexander Karmann*, Uwe Hofmann, Thomas Krauss, Andreas Werblow*
* GÖZ

Eine PDF-Version dieses Artikels kann hier heruntergeladen werden.