Titel „10 Jahre LKF“: Evaluierung des Systems der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung Österreichs
Datum Januar 2011
Auftraggeber Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur
Kontakt BASYS: Markus Schneider, Uwe Hofmann, Thomas Krauss; IMÖG/UMIT: Bernhard J. Güntert, Stefan Gruber, Mario Holzknecht, Jörg Munck

Welchen Nutzen hat der Patient vom österreichischen Fallpauschalensystem? Konnte durch die leistungsorientierte Finanzierung die Kostensteigerung gedämpft werden? Wurden die mit dem LKF-System verbundenen Ziele erreicht? Welcher Anpassungsbedarf besteht? Diese und weitere Fragen stellte die Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur an die Evaluatoren des LKF-Systems. Das 10-jährige Bestehen des LKF-Systems war der Anlass, dieses Bezahlungssystem der Krankenanstalten - über das jährlich mehr als 5 Mrd. € verteilt werden - evaluieren zu lassen.

Kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems

Die Evaluatoren, BASYS und IMÖG1, kamen zu bemerkenswerten Ergebnissen, die auch über Österreich hinaus von Bedeutung sind. Bereits 1997 wurde in Österreich flächendeckend ein leistungsorientiertes Fallpauschalensystem eingeführt. Deutschland folgte erst im Jahr 2005 durch die Übernahme des australischen Fallpauschensystems, heute bekannt als G-DRG. In anderen Ländern, wie z.B. in der Schweiz, erfolgt die landesweite tarifwirksame Einführung der SwissDRG erst zum 1. Januar 2012.

Von Beginn an wurde in Österreich auf eine umfangreiche Dokumentation des stationären Leistungsgeschehens geachtet. Diese unterstützte die laufende Weiterentwicklung des LKF-Systems und eröffnete eine Plattform für den Informationsaustausch zwischen Krankenhausträgern, Gesundheitsberufen und der Gesundheitspolitik. Heute ermöglicht diese Informationsplattform Längsschnittanalysen, wie sie kaum in einem anderen Land durchgeführt werden können.

Ausgehend von 15 Fragenkomplexen wurden die Wirkungen des LKF-Systems auf verschiedenen Ebenen des Gesundheitssystems für

analysiert. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Bundesländer in Österreich stärker in die Finanzierung der Krankenanstalten eingebunden. Es werden zwar einheitliche Punkte vorgegeben, die 9 Bundesländer können jedoch über die Landesgesundheitsfonds und die landesgesetzlichen Zusatzmittel steuernd in die Mittelverteilung eingreifen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Mittelflusses im LKF-System

Schematische Darstellung des Mittelflusses im LKF-System

* Pauschaler Kostenersatz des Bundes an die betreffenden Krankenanstaltenträger für die Mehraufwendungen für Forschung und Lehre (AKH Wien, LKH Graz, LKH Innsbruck).
** Abwicklung der ausländischen Gastpatienten: KH stellen Rechnung an LGF, Weiterleitung an GKK, Weiterleitung an HVB, Weiterleitung an ausl. Versicherer, Überweisung der ausl. Zahlung von HVB an GKK, Weiterleitung an LGF, Auszahlung an KH; somit Bevorschussung der KH durch Träger
*** In einigen Ländern wird auch die Betriebsabgangsdeckung ganz oder teilweise über die Fonds abgewickelt.
Quelle: BASYS, IMÖG (2010), Evaluierung des Systems der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung „10 Jahre LKF“, Augsburg/Hall.

BASYS und IMÖG zeichnen ein differenziertes Bild der Kosten- und Leistungsentwicklung der intramuralen Versorgung in Österreich, sowohl nach Bundesländern als auch im Zehnjahresvergleich 1997 – 2007. Insgesamt bewerten sie das LKF-Systems wie auch seine Weiterentwicklung positiv.

Verbesserte Wirtschaftlichkeit

Im internationalen Vergleich sank die Verweildauer in den österreichischen Krankenanstalten überproportional. „Wirtschaftlich“ bedeutet bei gegebenen Mitteln, einen möglichst hohen Output zu erzielen. Die Schwierigkeit der Evaluation liegt darin, den Output eines Krankenhauses zu messen. Nimmt man beispielhaft die Zahl der abgerechneten Aufenthalte als einen Indikator heraus, zeigt sich, dass der Output in allen Bundesländern – auch altersstandardisiert – gestiegen ist. Erwartungsgemäß bestehen dabei zwischen den einzelnen Bundesländern aufgrund kultureller Unterschiede, der soziodemografischen Struktur und des verfügbaren Angebots an Krankenhausleistungen in der Anzahl der stationären Aufenthalte (mit und ohne Nulltagesaufenthalte) erhebliche Differenzen.

Sinkende Behandlungsprävalenz

In diesem Zusammenhang wurde die Frage aufgeworfen, ob es sich dabei um ungerechtfertigte Wiederaufnahmen handelt, was bedeuten würde, dass die gleichen Patienten immer häufiger behandelt wurden, oder um einen Anstieg der Patientenzahlen. Deshalb wurden die Krankenhausaufenthalte dahingehend untersucht, wie sich die Zahl der Patienten (12-Monatsprävalenz) seit der Einführung des LKF-Systems bis zum Jahr 2007 entwickelt hat (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Altersstandardisierte Entwicklung der Behandlungsprävalenz sowie der Krankenhaushäufigkeit (1997=100), 1997 – 2007

Altersstandardisierte Entwicklung der Behandlungsprävalenz sowie der Krankenhaushäufigkeit

Altersstandardisiert ergibt sich in Österreich seit dem Jahr 2004 kein Anstieg in der Behandlungsprävalenz. Schließt man die Nulltagesaufenthalte aus und konzentriert sich auf die restlichen stationären Aufenthalte, so wurden in den österreichischen Fondskrankenanstalten 2007 rund 1,3 Mio. Patienten mit einem Wohnsitz in Österreich behandelt. Dies entspricht einer Behandlungsprävalenz von 16,3%.

Interessant sind die Ursachen für die Unterschiede in der Entwicklung zwischen der Anzahl der Krankenhausaufenthalte und der Anzahl der Patienten. Es fällt auf, dass der Anstieg der Krankenhaushäufigkeit seit 2003 primär der Bevölkerungszunahme geschuldet sein dürfte, nicht jedoch der Alterung. Vor dem Jahr 2003 ist ein Anstieg auch altersstandardisiert zu verzeichnen, so dass dieser durch bevölkerungsunabhängige Faktoren determiniert wird.

Der Unterschied zwischen der Behandlungsprävalenz, also dem Anteil inländischer Patienten an der Bevölkerung, und der Krankenhaushäufigkeit wurde im Zeitablauf deutlich größer. Dies bedeutet, dass Aufenthalte und Patientenzahlen sich immer weiter auseinander entwickeln und somit immer mehr Aufenthalte je Patient abgerechnet werden. Dies ist beispielsweise in der onkologischen Versorgung der Fall, wo die Zunahme der Nulltagesaufenthalte besonders hoch ist. Es ist jedoch festzuhalten, dass die Belagstage insgesamt gesunken sind und keine Hinweise auf Qualitätsverluste bestehen.

Fazit

In internationalen Vergleichen, in Wirtschaftlichkeitsanalysen und auch in der Krankenhausplanung wird vorwiegend auf Fallzahlen abgestellt. Sie sind aber offensichtlich kein ausreichender Indikator für den tatsächlichen Behandlungsbedarf einer Bevölkerung und sollten unbedingt durch Prävalenzziffern ergänzt werden. Gerade die Kodierung, die Falldefinition und die Abrechnungsvorschriften beeinflussen stark die Zahl der Krankenhausaufenthalte. Darüber hinaus gilt es den extramuralen Bereich stärker einzubeziehen. Das LKF-System hat zu mehr Transparenz und Wirtschaftlichkeit sowie zum Abbau von Unterschieden in der intramuralen Versorgung beigetragen. Die zunehmende Bedeutung der extramuralen Versorgung erfordert allerdings, die Erkenntnisse aus dem LKF-System auch auf den extramuralen Bereich zu übertragen.

Die Studie ist Teil des Evaluierungsberichts „Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung 1997 – 2007“, der im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur von Gesundheit Österreich GmbH zusammengefasst und koordiniert wurde. Der Bericht ist kostenlos beim Bundesministerium für Gesundheit, Radetzkystraße 2, 1030 Wien erhältlich (ISBN 978-3-90261141-3) oder kann über das Bundesministerium für Gesundheit heruntergeladen werden.

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1 Institut für Management und Ökonomie im Gesundheitswesen an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT).