Titel Gesundheitswirtschaft Österreich
Datum April 2011
Auftraggeber Wirtschaftskammer Österreich, Wien
Kontakt Uwe Hofmann, Thomas Krauss, Markus Schneider, Aynur Köse

Um die Chancen und die Potenziale des sich rasant entwickelnden Gesundheitsmarktes zu erfassen, beauftragte die Wirtschaftskammer Österreich BASYS, eine erste Übersicht der Gesundheitswirtschaft in Österreich zu erarbeiten.

Fast jeder achte Euro wird in der Gesundheitswirtschaft verdient

Österreichweit ist die Gesundheitswirtschaft mit einem Wertschöpfungsanteil von 11,7% und rund 618 Tsd. Erwerbstätigen ein bedeutender Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor. D.h. nahezu jeder achte Euro wird in der Gesundheitswirtschaft im weiteren Sinne verdient. Beinahe jeder siebte fand hier einen Arbeitsplatz.

Die inländische Produktion der Gesundheitswirtschaft (GW) in Österreich liegt 2006 bei 46,1 Mrd. € (26,2 Mrd. € Kernbereich (KGW), 19,9 Mrd. € Erweiterte Gesundheitswirtschaft (EGW)).

Die Gesundheitswirtschaft bezieht aus verschiedenen Sektoren Vorleistungen, um ihre Leistungen erbringen zu können. Hierzu gehören z.B. neben der Energiewirtschaft und dem Verkehrsgewerbe Arbeitsleistungen von den privaten Haushalten, die ihre Arbeitskraft anbieten. Insgesamt bezog die Gesundheitswirtschaft im Jahr 2006 Vorleistungen in Höhe von 19,0 Mrd. €. Hiervon entfallen auf den Kernbereich 9,6 Mrd. € und 9,4 Mrd. € auf die Erweiterte Gesundheitswirtschaft.

Zieht man diese Vorleistungen vom Produktionswert zu Herstellungspreisen ab, ergibt sich die Bruttowertschöpfung. Insgesamt werden im Kernbereich der Gesundheitswirtschaft rund 7,1% und im Erweiterten Bereich der Gesundheitswirtschaft rund 4,5% der Bruttowertschöpfung Österreichs erwirtschaftet. Die patientenbezogenen, medizin-orientierten Versorgungsstrukturen des Kernbereichs sind aktuell der wichtigste Zweig.

Erweiterte Gesundheitswirtschaft

Die Studie zeigt aber auch, dass die Gesundheitswirtschaft in Österreich im Vergleich zu Deutschland einen größeren Stellenwert hat. So ist zum Beispiel der Anteil der Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft an der Gesamtwirtschaft höher als in Deutschland (siehe Abbildung 1). Auch arbeiten in Österreich anteilsmäßig mehr Personen in der Gesundheitswirtschaft. Die Ursache hierfür ist vor allem in der Erweiterten Gesundheitswirtschaft und hier vor allem im Gesundheitstourismus zu suchen.

Abbildung 1: Kennziffern der Gesundheitswirtschaft in Österreich und Deutschland als prozentualer Anteil an der Gesamtwirtschaft

Kennziffern der Gesundheitswirtschaft in Österreich und Deutschland als prozentualer Anteil an der Gesamtwirtschaft

* Für Österreich Konsumausgaben zu Anschaffungspreisen, für Deutschland zu Herstellungspreisen
Quelle: Berechnungen BASYS, für Deutschland siehe auch Henke, Neumann, Schneider et al. (2010)

Der Zweite Gesundheitsmarkt nimmt in der österreichischen Gesundheitswirtschaft eine bedeutende Stellung ein. Abbildung 2 bezieht sich auf die privaten Konsumausgaben sowie die Konsumausgaben des Staates zu Anschaffungspreisen. Mit 43,5% hat der Zweite Markt („freiwillig privat bezahlte Leistungen“) fast schon die Bedeutung des Ersten Marktes („klassisch solidarisch finanzierte Gesundheitsversorgung“) erreicht. Zum Vergleich hat dieser in Deutschland lediglich einen Anteil von 19,6%. Grund für den Unterschied sind vor allem die Ausgaben für gesundheitstouristische Waren und Dienstleistungen. Dennoch ist auch in Österreich der Erste Markt des Kernbereichs mit knapp über 50% an den Konsumausgaben der bedeutenste Teil der Gesundheitswirtschaft.

Abbildung 2: Konsumausgaben in der Gesundheitswirtschaft nach Güter- und Finanzierungsarten, 2006

Konsumausgaben in der Gesundheitswirtschaft nach Güter- und Finanzierungsarten, 2006

Quelle: Eigene Berechnungen BASYS

Resümee

Wachstum wird in der Regel im Wirtschaftszweig Gesundheit anders beurteilt als in anderen Wirtschaftsbereichen. Im solidarisch finanzierten Gesundheitswesen geschieht dies mit einem gewissen Recht. Denn jeder Euro, der dort ausgegeben wird, schafft zwar einerseits Nachfrage und Arbeitsplätze, andererseits aber werden Wachstum und Arbeitsplätze anderer Branchen durch die Gesundheitsfinanzierung aus Steuern und Abgaben belastet. Im Zweiten Gesundheitsmarkt hingegen erfolgt die Finanzierung ausschließlich privat. Auch hier ist das Wachstum mit einem zunehmenden Fachkräftebedarf und neuen Berufsbildern verbunden. Gesundheitsmärkte sind daher auch als ein Handlungsfeld der Wirtschaftspolitik zu verstehen.

Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Gesundheitswirtschaft braucht sowohl die Wirtschafts- als auch die Gesundheitspolitik verlässliche Rahmendaten, welche nicht nur die Struktur der Ausgaben und Finanzierung aufzeigen (vgl. Statistik Austria 2011), sondern auch den Wachstumsbeitrag darstellen. Eine fundierte gesundheitsökonomische Analyse verlangt den Aufbau einer langfristigen Berichterstattung und aussagekräftiger Daten. Hierfür ist am besten ein Gesundheitssatellitenkonto (GSK) für Österreich geeignet. Dies ist in der Lage, die Wertschöpfung, die Produktivität und die Verteilung der Faktorentgelte der Gesundheitswirtschaft im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft zu messen.

Die Studie „Gesundheitswirtschaft Österreich - Studie für die Wirtschaftskammer Österreich“ erfasst die österreichische Gesundheitswirtschaft sowohl hinsichtlich ihrer volkswirtschaftlichen Wertschöpfung als auch im Hinblick auf die Beschäftigung. Ihre Ergebnisse sind die mit den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sowie mit der österreichischen Gesundheitsausgabenrechnung abgestimmt. Die gesamte Studie kann hier heruntergeladen werden (siehe auch Erweiterung der gesundheitsökonomischen Rechensysteme: Das Gesundheitssatellitenkonto).

Literatur

K. D. Henke, K. Neumann, M. Schneider et al. (2010): Erstellung eines Satellitenkontos für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, Baden-Baden: Nomos

Statistik Austria (2011): Gesundheitsausgaben in Östereich, http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitsausgaben